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Wir sitzen im gleichen Boot…

Als muslimische oder jüdische Menschen in der Schweiz, als Integrierte, als Fremde, als religiöse Minderheiten, haben wir einiges gemeinsam:

In unseren Namen steckt eine Geschichte, die Geschichte. In unseren Namen steckt Tradition, Religion, Zugehörigkeit. Aber auch Anpassung und Assimilation. Manchmal teilen unsere Namen die gleichen Wurzeln. Man erkennt uns durch unsere Namen: als bekannt oder fremd, beängstigend oder interessant.

In unseren Namen wird vieles unternommen, manchmal sind wir stolz darauf, manchmal schämen wir uns dafür. Wichtige Werke in jedem Bereich der menschlichen Errungenschaften, aber auch Schreckliches jenseits unserer Vorstellungen. Wir identifizieren uns mit unserer Gemeinschaften oder wünschen uns (heimlich), dass gewisse Teile davon verschwinden würden.

In unseren Namen sehen andere eine Identifizierung, eine Verantwortung für Taten von Leuten der gleichen Religion oder Herkunft, die wir in der Regel nie kannten und nie kennenlernen werden. So werden wir mit Juden- oder Muslimfeindlichkeit konfrontiert und herausgefordert.

… und wir leben in verschiedenen Welten.

Als muslimische oder jüdische Menschen in der Schweiz unterscheiden wir uns aber auch:

In unseren Namen liegt eine Distanz. Es gibt auf beiden Seiten Unkenntnis, Missverständnisse, Vorurteile und Konfliktthemen, welche die Beziehung zwischen den jüdischen und muslimischen Menschen in der Schweiz belasten.

In unseren Namen werden unterschiedliche Ängste übertragen. Judenfeindlichkeit hat in der Schweiz eine lange Geschichte. Die kleine, eher gut situierte jüdische Minderheit wird dadurch verunsichert. Muslimfeindlichkeit ist trotz alter Wurzeln in der Schweiz fast eine Neuerscheinung des 21. Jahrhunderts, weil die wachsende muslimische Minderheit vor dem 11. September 2001 kaum wahrgenommen wurde. Die Betroffenen sind als Ausländer/innen mehrheitlich schlecht situiert, sie leiden unter einer öffentlichen Stigmatisierung, die in Diskriminierung auf der gesetzlichen Ebene, in der Bildung, in der Arbeitswelt, auf dem Wohnungsmarkt usw. münden kann.

Die Vorurteile, die Bedürfnisse und die Strategien jeder Gruppe sind entsprechend unterschiedlich.

Wie gehen wir mit diesen Unterschieden und Gemeinsamkeiten um? In einem Dialog verstehen wir Muslim- und Judenfeindlichkeit besser, entdecken Ähnlichkeiten und Unterschiede, tauschen aus, lernen voneinander.